Julian Röder - Recht und Raum


18. November 2016 - 12. Februar 2017

Nach einem Studium der freien Kunst bei Tim Rauter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entwickelt der zuvor bei Ostkreuz in Berlin ausgebildete Fotograf Julian Röder in den frühen 2000er Jahren die Haltung eines distanzierten Beobachters. Im Fokus stehen die subtilen Veränderungen einer globalisierten Gegenwart.

Beim G8 Gipfel 2001 in Genua war Röder selbst noch Teil der Demonstranten-Szene. Mehr und mehr wurde ihm bewusst, dass er nur aus der Distanz zu relevanten Bildern finden kann. Er versucht mit der Kamera das einzukreisen, was eigentlich in der Kritik steht. Es zeigte sich, dass die Protestaktionen mit jedem Gipfel zunehmend ins Leere liefen. In der ländlichen Abgeschiedenheit von Heiligendamm und später von Hokkaido erstarrten die Aktionen zu puren Verhaltensgesten. Über das Mediale hinaus entwickelten die Aktionen kaum politische Wirkung.

Aufnahmen der weltgrößten Waffenmesse in Abu Dhabi hat Röders bewusst „cartoonartig überzogen“. Die Absurdität dieser militärischen Konsumschau, mitten in der arabischen Wüste, wird so besonders unterstrichen. In der Serie „Mission and Task“ arbeitet Röder 2012/13 dagegen mit Kunstlicht im Freien. Mit den Mitteln der Werbefotografie führt er die geheime Infrastruktur europäischer Außengrenzen als Schutzwall unseres Wohlstandes vor. Unter unverdächtigen Oberflächen – Zeppelinen, Kapellen, Zäunen, Satelliten – verbergen sich modernste Überwachungssysteme, die zu Lande, zu Wasser und aus dem All jeden, der in ihre Nähe kommt, beobachten und taxieren.

In seiner Serie „Human Resources“ hat sich Röder 2007-2009 an die „Frontlinie des Kapitalismus“ (Elisabeth Giers) begeben und unbemerkt auf Konsummessen Fachkunden und Verkäufer fotografiert. Um das Augenmerk in dem künstlichen Biotop „Messe“ ganz auf die Körpersprache der Beteiligten zu lenken, löschte Röder alle Logos und Namen im Hintergrund. So legt er allein die Posen frei, die von Künstlichkeit und medialer Konformität erzählen und längst in die Körpersprache der meisten Zeitgenossen eingegangen sind. Die Beobachteten auf öffentlicher Bühne – in diesem Fall der Messe – werden zur Staffage einer austauschbaren Waren- und Marketingwelt.

Es erscheint ein zweisprachiger Katalog in Kooperation mit der Jungen Akademie der Künste im Verlag Walther König. 80 Seiten, Deutsch/Englisch, € 18.


Mit Unterstützung
des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf – Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kultur; des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten; der Freunde und Förderer des Haus am Waldsee e.V.