Das Haus am Waldsee wächst, nicht nur im Garten

Die 1922 errichtete Villa an der Argentinischen Allee 30, in der seit Januar 1946 das „Haus am Waldsee“ internationale zeitgenössische Kunst vorstellt, wird mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie saniert und erweitert. Auf der Ostseite des Hauses wird ein 1945 beschädigter Gebäudetrakt, der in den 1950er Jahren abgerissen wurde, neu aufgebaut und mit großzügigen Terrassentüren in einen Veranstaltungsraum verwandelt. Sämtliche Ausstellungsräume im Altbau werden saniert. Ein Außenaufzug sorgt für behindertengerechten Zugang.

Als eine der ersten Institutionen in Deutschland zeigt das Haus am Waldsee seit Januar 1946 in ununterbrochener Reihe Ausstellungen mit internationaler zeitgenössischer Kunst. Anfang der 20er Jahre war die Villa im Auftrag eines jüdischen Regenmantelherstellers und dessen Familie erbaute worden. Die Knoblochs verkauften das Anwesen noch in den 1920er Jahren und konnten später nach Argentinien emigrieren. Bis Kriegsende wechselte die Immobilie noch siebenmal den Besitzer. In den 40er Jahren wohnte hier der stellvertretende Direktor der Reichsfilmkammer, Karl Melzer, der im März 1945 von einer Dienstreise nicht mehr nach Berlin zurückkehrte und in Süddeutschland untertauchte. Im Juni 1945 traten die Berliner Philharmoniker mit einem ihrer ersten Nachkriegskonzerte im Garten des nun von russischen Soldaten vereinnahmten Hauses auf. 1946 soll der Kunsthistoriker und ehemalige Reichskunstwart, Erwin Redslob, angeblich in diesem Haus zuletzt Franz Marcs „Der Turm der Blauen Pferde“ (1913) gesehen haben. Das Gemälde gilt bis heute als verschollen. Zur Geschichte des Gemäldes und den Gerüchten um sein endgültiges Verschwinden in Berlin-Zehlendorf bis 1948, hat das Haus am Waldsee im Frühjahr 2017 in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Graphischen Sammlungen in München eine große Gruppenausstellung mit zeitgenössischen Künstlern gezeigt.

In der liebevoll „Haus am Waldsee“ getauften Villa trafen sich ab 1946 vor allem Künstler und Musiker, die in den Jahren des Nationalsozialismus zum Schweigen verurteilt waren. Ab 1948 entwickelte das Haus unter der Leitung von Carl Ludwig Skutsch sein überregional wahrgenommenes Ausstellungs-Profil. Künstlerische Positionen, die seit 1937 verboten und an Deutschland vorbeigegangen waren, wie Pablo Picasso, Henry Moore oder Max Ernst wurden im Haus am Waldsee zum ersten mal nach dem Krieg in Berlin vorgestellt. Künstler, die der Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer gefallen waren, wie Oskar Schlemmer, Karl Schmidt-Rottluff, Käthe Kollwitz oder Hermann Blumenthal wurden hier noch in den späten 1940er Jahren rehabilitiert.

Seit 2005 gilt das Hauptaugenmerk unter Leitung von Katja Blomberg der heutigen kreativen Szene in Berlin. Mit Thomas Florschütz, Jonathan Monk, Corinne Wasmuth, Norbert Bisky, Beate Gütschow, Anton Henning, Björn Melhus, Olav Christopher Jenssen, Frank Nitsche, Marcel van Eeden, Albrecht Schnider, Takehito Koganezawa, Michael Sailsdorfer, Christine Streuli, Leiko Ikemura u.v.a. werden internationale Positionen aus dem Bereich bildende Kunst vorgestellt. Darüber hinaus werden Designer wie Werner Aisslinger, Architekten wie Jürgen Mayer.H oder Komponisten wie Peter Ablinger Einzelausstellungen eingerichtet.

Künstlergespräche, Künstleressen, Konzerte, Buchvorstellungen, Kindervernissagen, Yoga in der Kunst, Führungen in Dialogform werden auch nach der Neueröffnung die aktuellen Ausstellungen begleiten. Audiotouren führen zur Architektur der Moderne (Mies van der Rohe, Walter Gropius, Hermann Muthesius) in unmittelbarer Nähe, ein Skulpturenpark am Waldsee (Karl Hartung, Lynn Chadwick, Thomas Rentmeister, Michael Beutler) runden das Angebot ab. Das Haus am Waldsee wird in privater Trägerschaft geführt. Es erhält Zuschüsse von Seiten des Berliner Senats sowie des Bezirks Steglitz-Zehlendorf von Berlin. Sein wachsender, großer Freundeskreis unterstützt das Haus erheblich.

Die Wiedereröffnung ist für Juli 2018 geplant.

Bis dahin ist der Skulpturenpark hin und wieder geöffnet. Wenn Sie auch 2017/18 regelmäßig an Exkursionen und Sonderveranstaltungen teilnehmen wollen, werden Sie gleich Mitglied im Verein der Freunde und Förderer. Ein Anmeldeformular finden Sie auf diesen Seiten.