William Engelen | Music Box

10.09.2011 – 06.11.2011

Ausstellungsansicht, Foto: Bernd Borchardt

 

Schokoladenriegel, Staubsaugertüteninhalte, Gummibäume, Tagebücher, Magenknurren oder Wetterdaten bilden die Parameter der Kompositionen von William Engelen. Wenn der niederländische Künstler und Komponist seine Partituren in Form von grafischen Notationen entwirft, geht sein Werk meist von kulturellen Erinnerungen unterschiedlicher Wahrnehmungsebenen aus. Sie reichen vom „Urknall“ bis zu den Schokoladenträumen der eigenen Kindheit. Sie nutzen die Wetterdaten im ersten Jahrzehnt des frühen 21. Jahrhundert oder erfassen die unbewusste Musikalität der eigenen Gedärme.

Sein Werk pendelt zwischen bildender Kunst, Architektur und Musik, Ausstellung und Performance, Installation, Skulptur und Komposition. Es entstehen temporäre musikalische Mischformen, die durch ihre besondere Ortsgebundenheit kaum reproduzierbar und meist vergänglich sind. Vor den Augen des Publikums findet eine Vereinigung des Unvereinbaren, von Statik und Dynamik, Dasein und Vergehen, Raum und Zeit statt.

Engelen geht in seinen Kompositionen nicht von Noten und Takten aus. Vielmehr arbeitet er mit situationsgebundenen Parametern, die sich im Wechselverhältnis von Visuellem und Akustischem ergeben: „Wenn ich Zeit ‚benutze‘, komponiere ich mit Klängen und Geräuschen, Objekten und Raum. Daraus entsteht etwas Multimediales. Indem meine grafischen Partituren den Musikern kreatives Mitspracherecht einräumen, komponiere ich darüber hinaus menschliches Handeln“, betont er. Den Ausgangspunkt bilden in der Regel Situationen des Lebensalltags. Das können Orte und Objekte sein. Etwa ein Stadt- oder Schrebergarten, ein leer stehendes Haus, eine Betonwand oder ein verstaubtes Klavier. Das können auch Dokumente sein, die gelebtes Leben dokumentieren, wie Tagebücher oder Biografien. Es können aber auch allgemeine Bedingungen sein, wie zum Beispiel das Wetter.Die Räume, mit denen Engelen arbeitet, sind keine abstrakt-architektonischen, sondern immer kulturell geprägte Räume.

Seine experimentelle Welt der Klänge und Geräusche steht deutlich in der Tradition von John Cage und Morton Feldman, die die fortwährende Wiederholung klassischer Kompositionen als Kitsch ablehnten und unter Einbeziehung klassischer Instrumente sowohl das Instrumentarium auf Alltagsgegenstände wie Topfdeckel ausdehnten als auch die Notationen mit neuen abstrakten Zeichensystemen bereicherten. Bewusst zollt Engelen den amerikanischen Erneuerern der ernsten Musik Respekt, nicht zuletzt, indem er nach Wegen neuer Klangerlebnisse im 21. Jahrhundert sucht. Dabei bewegt er sich als Bildender Künstler und Klangkünstler heute auf einer globalen, überkulturellen und noch breiteren technischen Basis als seine großen Vorbilder vor 80 Jahren.

„Music Box“ wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler für das Haus am Waldsee entwickelt, um den Besuchern nicht nur einen Einblick in das Experimentierfeld von William Engelen heute zu ermöglichen, sondern auch die innovative Kraft zwischen Komposition und Installation, zwischen Tönen und Räumen seines Werkes seit den 90er Jahren nachvollziehen zu können.

Die Ausstellung stellt das gesamte Spektrum des Werkes dar. So werden unterschiedliche Medien, wie grafische Partituren als visuelle Musik mit Audiobeispielen, Skulpturen, Modelleund Klanginstallationen zu erleben sein.

Im Skulpturenpark des Hauses am Waldsee wird seit 2010 William Engelens hör- und begehbare Wetterstation „Meteophon“ gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch im Verlag Walther König.

Mit freundlicher Unterstützung von
Hauptstadtkulturfonds, Schering Stiftung, Freunde und Förderer des Hauses am Waldsee e.V.

Medienparter: rbb Kulturradio, taz - die tageszeitung

 

Ausstellungsansichten
Fotos: Bernd Borchardt
© Haus am Waldsee