Takehito Koganezawa | Luftlinien

 

02.03.2012  20.05.2012


Der 1974 in Tokio geborene Künstler Takehito Koganezawa nutzt einfachste Mittel, um den Begriff der Zeichnung zwischen Performance und Video neu zu definieren. Koganezawa setzt seinen Körper mit Video-Projektoren und Videokameras in Beziehung. Aus der Bewegung der drei Komponenten heraus entstehen ungewöhnliche optische Phänomene der Überlagerung und der Verdichtung zu komplexen Bildflüssen. In der Ausstellung „Luftlinien“ sind neben Zeichnungen vor allem abstrakte Videos sowie Performances zu sehen, die sich aus dem Gedanken der Zeichnung heraus entwickeln.

Einige Videoarbeiten der Ausstellung erinnern von Ferne an animierte Gemälde von Bridget Riley oder Karl Otto Götz. Andere stehen mit frühen Videoarbeiten von Tatsuo Miyajima in innerer Beziehung. In jedem Fall geht es auch Koganezawa um das Moment der Zeit. Indem er dazu übergegangen ist, neben Zeichenstift und Papier vor allem elektronische Medien als Utensil der Zeichnung zu nutzen, kann Koganezawa den Fluss der Zeit unmittelbar sichtbar machen. Mit magischer Leichtigkeit überführt er lineare Phänomene in abstrakt-bewegte Zeichen und Bilder. Es entstehen flüchtige „Luftlinien“ zwischen Op-Art und Informel. Dabei sind die bewegten Arbeiten von Koganezawa höchst eigenständig und heutig.

Bewegung bleibt sein Hauptmotiv. So badet Koganezawa in der zentralen Rauminstallation der Ausstellung in einem bunten Gewirr aus laufenden Lichtreklamen, die er auf einer nächtlichen Autobahnfahrt rund um Tokio mit der Handkamera aufgenommen hat. Das Pulsieren der Lichter und Werbeschilder wird als stille Rundumprojektion erlebbar. Die Lichtzeichen beschreiben die erotische Seite der Weltmetropole als einen nicht enden wollenden Fluss aus Farbe, Bewegung und Flüchtigkeit.

Das Nichts und die Zeit sind die wichtigsten Koordinaten dieses Œuvres. Jeder Ort auf diesem Planeten hat für Koganezawa sein eigenes Zeitgefühl. Der Künstler versucht dabei nicht Zeit festzuhalten, sondern sie im Gegenteil wie Wellen ziehen zu lassen. Er denkt darüber nach, wie man einen Fluss erfasst. Zeichnung ist für Koganezawa eine Art Ur-Fluss. Es interessiert den Künstler, wie man Flüsse mischen und daraus etwas Neues konstruieren kann. Schwerelosigkeit spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, und mit der Überwindung der Gravitation auch die Beziehung zur Musik und zum Hören als feinster Form des „Sehens”.

Im Rahmen der Ausstellung wird es vier Life-Performances mit dem Künstler geben.
Takehito Koganezawa lebt und arbeitet seit Ende der 90er Jahre in Berlin. “Luftlinien” ist die erste institutionelle Übersichtsausstellung des Künstlers in Deutschland. Es erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch im Verlag Walther König, Köln.