Frank Nitsche | COCKTAILHYBRIDCONCEPT feat. Yves Netzhammer

10.09.2010 – 14.11.2010

Ausstellungsansicht, Foto: Bernd Borchardt

 

Das Haus am Waldsee freut sich, mit Frank Nitsche einen der innovativsten deutschen Maler der Gegenwart in einer ersten institutionellen Ausstellung in Berlin vorstellen zu können. COCKTAILHYBRIDCONCEPT zeigt seine Gemälde im Kontext der letzten zehn Schaffensjahre und im Dialog mit einem der interessantesten Videokünstler seiner Generation, Yves Netzhammer.

Getürmte Getränkedosenpakete mit extravaganten Aufklebern aus aller Welt sowie ein Medienfotoarchiv bilden den geistig-formalen Speicher der abstrakten Ölgemälde von Frank Nitsche. Die Bilder erinnern an technische Computerzeichnungen, Maschinen, Architekturkonstrukte, virtuelle Wissenschaftsmodelle oder auch an Materialreste von überwältigenden Verwüstungen durch die Natur. Nitsches Gemälde schöpfen aus dem visuellen Wahnsinn, mit dem sich die Konsumgesellschaft langsam selbst auffrist. Sie beziehen sich auf den grafisch-medialen Überfluss, der uns täglich mit Wucht entgegenströmt.

Seit über zwanzig Jahren fischt Nitsche in dieser Flut. Er ordnet, selektiert, fragmentiert und setzt aus Bruchstücken hochverdichtete Bilder zusammen. Am Ende geht es aber immer um die Malerei selbst. Zwischen Picassos analytischem Kubismus, Malewitschs Konstruktivismus und CAD gestützten Architekturrenderings eröffnen die Bilder von Nitsche am Beginn des 21. Jahrhunderts unbekannte Wahrnehmungsdimensionen, die aus dem Alltag schöpfen und als neue Denkräume gelesen werden können.

COCKTAILHYBRIDCONCEPT erhebt die Verdichtung des Fremden, Artifiziellen, sinnlich Neutralisierten zum Prinzip. Während Nitsches Malerei dekonstruiert, kondensiert und abstrakt weitere, noch unbekannte Dimensionen anspricht, antizipiert Netzhammer, der die Schweiz 2007 bei der Biennale von Venedig vertreten hat, von artifiziellen Wesen ausgehend, ein Leben, bei dem sinnliche Wahrnehmung neu gedacht wird. Seine am Bildschirm geborenen Figuren haben weder Augen noch Ohren. Ohne Münder und Geschlechtsorgane sind sie allein auf ihren Tastsinn sowie diverse Hilfsgeräte angewiesen. Signale wie Schmerz oder Zuneigung werden ganz unemotional an die Gehirne weitergegeben.

Beide Künstler vereint die Frage nach der Spannung zwischen dem Organischen und dem Künstlichen in einer Welt, in der das Leben bis in die intimsten Träume hinein artifiziell, konsumorientiert, marketingabhängig und fremdgesteuert geworden ist.

Der Katalog erscheint im Verlag Walther König, Köln (16,80 Euro).