Beate Gütschow | ganz woanders

25.01.2008 – 24.03.2008

Das Haus am Waldsee stellt die in Berlin lebende Fotografin Beate Gütschow (1970) mit mehr als 20 großformatigen Fotografien und Videos aus ihrem bisherigen Schaffen vor. Idylle und Utopie sind die zentralen Begriffe der von 1993 bis 2000 in Hamburg bei Bernhard Blume und Wolfgang Tillmans ausgebildeten Künstlerin. In ihren digitalen Natur- und Stadtlandschaften reflektiert Gütschow Denk- und Kompositionsschemata, wie sie die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelte: Natur wurde als höchst artifizielles Ereignis konstruiert. In Analogie baut die Künstlerin ihre Bilder aus eigenen Fotografien, die sie digital collagiert.

Beate Gütschow: ganz woanders

Beate Gütschow: LS #3, 1999
116x169cm, C-Print
Courtesy Louise and Eric Franck collection, London
© VG Bild-Kunst Bonn 2007

Beate Gütschow: ganz woanders

Beate Gütschow: S #22, 2007
180x267cm, Light Jet Print
Courtesy Louise and Eric Franck collection, London
© VG Bild-Kunst Bonn 2007

In ihren jüngeren Arbeiten entwickelt Gütschow menschenleere und pflanzenlose Stadtlandschaften. Den Wildwuchs seelenlos auswechselbarer Metropolenwüsten treibt sie soweit, dass der Betrachter den Ort nicht mehr orten kann. Die Ausstellung „ganz woanders“ schafft daher ein Bild der Zukunft, das die Hybris des Menschen als Schauer-Vision aus der Sicht einer präzise beobachtenden und überaus sorgfältig arbeitenden Fotokünstlerin geradezu beschwörend vor Augen führt.

Gütschow setzte sich zunächst mit der Schnittstelle von Fotografie und Malerei in der Zeit vor der Fotografie und vor Caspar David Friedrich auseinander. Als Bilder noch ausschließlich im Atelier entstanden, bestand die Utopie von Landschaft in der Konstruktion und der Idealisierung, wie sie große Landschaftsmaler wie Claude Lorrain, John Constable, Nicolas Poussin, Jacob van Ruisdael, Claude Vernet oder Thomas Gainsborough formulierten. Erst nach Erfindung der Fotografie sowie der Einführung der Plein-Air-Malerei sollte sich dies im Laufe des 19. Jahrhunderts ändern.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Dumont Verlag (ISBN 97-3-8321-9091-0).