Sven Drühl - Simulationen

Landschaft jenseits der Wirklichkeit


9. September - 6. November 2016


Mit der Ausstellung „Sven Drühl – Simulationen. Landschaft jenseits der Wirklichkeit“ zeigt das Haus am Waldsee einen der reflektiertesten Künstler der Gegenwart in Deutschland. Seit gut fünfzehn Jahren setzt er in seiner Malerei gezielt Strategien des Samplings, Mixens und Neuverwertens ein.

Während DJs und VJs im Clubleben der Metropolen mit ihren Audiocollagen Künstlerstatus erlangt haben, entwickelt Drühl parallel Bilder, die sich aus internationaler Kunst seit dem frühen 19. Jahrhundert speisen. Mit seiner unverwechselbaren, flächig-abstrahierten Maltechnik übersetzt er Zitate von Caspar David Friedrich, André Derain, Edward Theodore Compton, aus japanischen Holzschnitten der 1920er Jahre, Fotografien von Alfred Renger Patsch, Sebastiano Salgado und Wolfgang Tillmans sowie aus digitaler Computergraphik in Bilder über Bilder. Mit ungewöhnlichen Mitteln wie Silikon, Lack und Öl schafft Drühl auf seinen Leinwänden eine komplett durchkonstruierte Welt der Künstlichkeit, die das virale, simultane und simulierte Potenzial unserer digitalisierten Gegenwart nutzt und sie ohne falsche Romantik spiegelt. Es entsteht ein eigener Realismus, der das tausendfach vervielfältigte Vorbild interpretiert und in ein einzigartiges Gemälde voller handwerklicher Raffinesse herunterbricht.

Aus seiner umfangreichen Produktion großformatiger Leinwände, Neons und Arbeiten auf Papier, die sich vor allem der Architektur und der Landschaft widmen, wurden für die aktuelle Ausstellung der Schwerpunkt auf Drühls Landschaftsmalerei gelegt. Dank großzügiger Leihgaben aus Privatbesitz gelingt so ein breiter Überblick über das Schaffen Sven Drühls seit 2002.

Bereits der Titel der Ausstellung „Simulationen“ verweist auf die große wissenschaftliche Neugier und analytische Kraft des seit 2003 in Berlin lebenden Künstlers, Mathematikers und Theoretikers. Nach einem Studium der Kunst und der Mathematik an der Universität Essen, erhält Drühl Lehraufträge und Gastprofessuren in Essen, Frankfurt a. M., Dresden, Leipzig und Berlin. Er wird mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet, die ihn u.a. nach New York führen. Neben seiner Arbeit im Atelier promoviert der notorisch neugierige Vielarbeiter in Kunstwissenschaft und profiliert sich als Theoretiker und Kurator. Seit 2002 widmet sich der heute 48-jährige ausschließlich der Malerei, die heute für ihn das Medium darstellt, in dem er seine komplexen Recherchen für sich am überzeugendsten ausdrücken kann.

Drühls Malerei ist flächig und plakativ. Ihre Farbigkeit orientiert sich an der extremen Natur. Entweder überziehen sie leicht ins Signalhafte, oder sie zitieren ihre wie mit dem Zoom vergrößerten Motive in Schwarz-Weiß oder ganz in Nachtschwarz. Dabei arbeitet Sven Drühl parallel in Serien, die verfolgt, liegen gelassen, wieder aufgenommen, erweitert und fallengelassen werden können. Mit erstaunlicher innerer Freiheit lässt er sich nicht vom eigenen Erfolg treiben, sondern entscheidet aus seinem jeweiligen Interesse heraus, welche Gedankenstränge erneut aufgenommen und weitergeführt und welche liegen oder fallen gelassen werden. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges Werk, das überzeugend und mit großer Konzentration Kunst über Kunst als Metapher unserer bis ins Denken hinein durchdigitalisierten Gegenwart hervorbringt.

Es erscheint ein zweisprachiger Katalog mit einer Einführung von Katja Blomberg und einem Essay von Martin Engler im Verlag Walther König. Deutsch/ Englisch. 80 Seiten. 18 €

Die Ausstellung ist Teil der Berlin Art Week 2016

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Mit Unterstützung des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf – Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kultur; des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten; der Freunde und Förderer des Haus am Waldsee e.V.